Es spricht sich herum

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… dass es uns gibt.

Und sie kommen. Die aus der mittleren Generation – mit ihren Kindern und Babys…

Und sagen mir nach der ersten Tasse Kaffee – „Es ist hier nicht so streng. Und man kann hier lachen…“ Und erzählen von früheren strengen, bierernsten, humorfreien, weltfremden…. Kollegen. Und sagen dann: „der war aber auch lieb“ – wie um niemand zu verletzen. Und melden ihre Kinder zur Taufe an und fragen nach dem Kindergottesdienst.

Sagen dann: „Kirche hat nichts mit meinem Leben zu tun gehabt…“ und wiederum „Ausgetreten bin ich aber nicht, es ist schon wichtig…“

Hm.

Mit der Kaffeetasse in der Hand erzählen sie mir als sei ich 10-15 Jahre jünger; so alt wie sie – auch weil Pfarrerin in Jeans oder kurzen Sommerkleidchen neu ist. Es spricht sich herum, dass (nicht nur) Herr Pfarrer gern Witze erzählt und dass man uns händchenhaltend durch die Straßen gehen sieht. Und dass wir guten Kaffee und ein offenes Ohr haben.

Sie sind wieder da, zumindest zum Reden. Weil es sich herumspricht, dass wir nicht streng, sondern fröhlich sind.

Das ist alles. Ein guter Anfang.

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Phrygien und Pamphylien

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Das ist irgendwo in Anatolien und bei Alanya (also heute Türkei) – und das werde ich in der Pfingstgeschichte vorlesen und kein Mensch wird ohne Erklärung wissen, woher denn eigentlich die Leute kamen, die der gute Petrus an jenem ersten Pfingsstag getauft hatte. Grund zur Freude war es aber wohl.

Heute haben wir andere Kämpfchen – mit bornierten Kerngemeindler, die lautstark ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen, dass unsere Taufbewerber aus Mesopotamien nur deswegen Christen werden wollen, weil sie uns ausnutzen wollen. Oder sind es doch Meder und Elamiter? – die sehen irgendwie alle gleich aus, diese Flüchtlinge… 😉

Übrigens gibt es bei uns 11 von ihnen, eine fröhliche junge Truppe, mit denen wir gern Zeit verbringen. Neulich beim Gemeindeausflug besichtigten wir eine katholische Kirche – das kannten sie so noch nicht. Eine der jungen Frauen fragte mich, was es mit den Heiligenfiguren und den Kerzen auf sich hat. Ich antwortete nach bestem Wissen und sagte dann: „Wir Evangelischen sprechen Gott direkt an.“ Und sie: „Ich bin froh, dass ich evangelisch werde. Im Islam beten auch andere für mich und ich darf nicht mit Gott sprechen. Aber wenn ich mit Gott sprechen darf, dann bin ich jemand.“

So hört sich die Berechnung an… ja, ja, die Phrygier und Pamphylier.

Der Geist weht, wo er will.

Ostern dauert bis Pfingsten 

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Das hat mir einer in seinem verspäteten Ostergruss geschrieben und ich musste schmunzeln, denn…

😊ich hatte mir überlegt, etwas ähnliches auf die verspäteten Weihnachtskarten zu schreiben. 

Seit Herr Pfarrer und ich unsverlobt-geheiratet-ineinandereslandgezogen-beideneuepfarrstellenangetreten-zweihaushaltezusammengelegt-weihnachtengefeiert-achtwochengrippeüberlebt-hunderterleutekennengelernt-jedensonntaggottesdienstgehalten-undicheinekrabbelgruppegestartetnebenalldemnoch-undbesuchwarauchschondawieschön-wennauchmanchesnochinkistensteht…

Wir sind glücklich. Und haben uns noch nicht gelangweilt … 😉

Also dauert wohl Weihnachten bis nach Ostern… Und wir schreiben vielleicht Pfingstkarten.

🤔 gibt es eigentlich PfingstKarten? 

Jedenfalls:

Frohe Ostern! Er ist auferstanden! ☺

Frohe Weihnachten! 

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Sie wissen, dass Frau Pfarrer Predigten schreibt und nicht dazu kommt, Kekse für das Fest zu backen. Also stehen sie am Christtag vor dem Gottesdienst da mit einer Auswahl, die einfach traumhaft schön und lecker ist. „Frohe Weihnachten, Frau Pfarrer! „-sagen sie, und sie merkt, dass ihnen das Schenken eine echte Freude ist.

„Nicht in meinem Namen“

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Ist ein Fundstück, das passt. 

Und ich in Seinem Namen unterwegs. Das ist dann friedlich und unspektakulär. Adventsndachten in Wohnküchen und Feuerwehrhäusern meiner weit verstreuten Diasporagemeinde. Sie freuen sich, wenn Frau Pfarrer kommt. Nach der Andacht kommt Tee und Selbstgebackenes auf den Tisch und es wird erzählt. 

Wir freuen uns auf Weihnachten. Und wünschen euch gesegnete Tage. 

Sonntag – verloren, gesucht, gefunden

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„Ich danke Christus Jesus, unserem Herrn, der mir die nötige Kraft gegeben hat. … Ja, unser Herr schenkte uns Gnade über alle Maßen. Und mit ihr Glaube und Liebe, die aus der Verbundenheit mit Christus Jesus erwachsen. … Das folgende Wort ist zuverlässig und verdient vorbehaltlose Annahme: >>Christus Jesus ist in diese Welt gekommen, um die Schuldbeladenen zu retten.<<“ (aus dem 1.Timotheusbrief, Basisbibel)

Der 3. Sonntag nach Trinitatis. Die Evangelien erzählen die Geschichten vom ‚Verlorenen‘ – vom Schaf, Sohn, Groschen, dann ist da noch die Zachäusgeschichte. Ich lese. Etwas zu verlieren kenne ich. Inklusive Weg. Schwerer tue ich mich mit dem Gedanken, des ‚Umkehrs‘ – er riecht fromm, aus einer Welt, die Menschen klein macht, ihnen Liebenswürdigkeit und oft genug auch Würde abspricht: Du bist falsch!

Ich lese. Und lasse die alten Texte durch mein Herz: sie sind anders. Da ist Liebe. Geduld und dieses altmodische Wort ‚Gnade‘. Natürlich macht Zachäus alles richtig, sehr gut sogar – nach seinen eigenen Kriterien; er macht sogar Karriere, wird reich dabei. Auch der ‚verlorene‘ Sohn tut nichts anderes, als seinen Sehnsüchten, seinem Entdeckungsdrang nachzugehen… Das Schöne ist, dass ich kein Wort Vorwurf finde in den Geschichten. Nicht ein einziges. Die Rezeptionsgeschichte ist freilich eine andere – wie oft – und wie sich da die erhobenen Zeigefinger… ach ja.

Nicht Jesus. Jesus geht nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herum. Er ist einfach da. Geduldig und freundlich und zugewandt.

Und das reicht schon. Um die eigenen Wege zu überdenken. Waren die Ziele richtig? War der der Weg? Oder doch anders?

Zachäus ändert alles. Die alten Ziele haben keinen Wert mehr in der Nähe Jesu. Genau so ist es mit Paulus.

Woran das liegt? Vielleicht daran, dass ganz anderes wichtig wird in der Nähe Gottes. Oder daran, dass uns Jesus Kraft für Veränderung gibt und Vertrauen schenkt. Oder dass aus der Verbundenheit mit ihm Liebe und Glaube wächst…

Sucht aus.

Jedenfalls ist der Satz – auch für mich – wirklich wahr: Jesus ist gekommen, um mich zu finden. (…und Schuld? Nun, DAS ist vielleicht genau das, wenn ich total auf dem Holzweg bin und auch noch meine, alles richtig zu machen und nichts und niemanden zu brauchen – und dabei die Liebe zu mir und zum anderen übersehe… Aber das ist ein anderes Kapitel…)

Jesus vertraut uns. Traut uns Gutes zu. In der Verbundenheit zu ihm.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.