Phrygien und Pamphylien

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Das ist irgendwo in Anatolien und bei Alanya (also heute Türkei) – und das werde ich in der Pfingstgeschichte vorlesen und kein Mensch wird ohne Erklärung wissen, woher denn eigentlich die Leute kamen, die der gute Petrus an jenem ersten Pfingsstag getauft hatte. Grund zur Freude war es aber wohl.

Heute haben wir andere Kämpfchen – mit bornierten Kerngemeindler, die lautstark ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen, dass unsere Taufbewerber aus Mesopotamien nur deswegen Christen werden wollen, weil sie uns ausnutzen wollen. Oder sind es doch Meder und Elamiter? – die sehen irgendwie alle gleich aus, diese Flüchtlinge… 😉

Übrigens gibt es bei uns 11 von ihnen, eine fröhliche junge Truppe, mit denen wir gern Zeit verbringen. Neulich beim Gemeindeausflug besichtigten wir eine katholische Kirche – das kannten sie so noch nicht. Eine der jungen Frauen fragte mich, was es mit den Heiligenfiguren und den Kerzen auf sich hat. Ich antwortete nach bestem Wissen und sagte dann: „Wir Evangelischen sprechen Gott direkt an.“ Und sie: „Ich bin froh, dass ich evangelisch werde. Im Islam beten auch andere für mich und ich darf nicht mit Gott sprechen. Aber wenn ich mit Gott sprechen darf, dann bin ich jemand.“

So hört sich die Berechnung an… ja, ja, die Phrygier und Pamphylier.

Der Geist weht, wo er will.

Ostern dauert bis Pfingsten 

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Das hat mir einer in seinem verspäteten Ostergruss geschrieben und ich musste schmunzeln, denn…

😊ich hatte mir überlegt, etwas ähnliches auf die verspäteten Weihnachtskarten zu schreiben. 

Seit Herr Pfarrer und ich unsverlobt-geheiratet-ineinandereslandgezogen-beideneuepfarrstellenangetreten-zweihaushaltezusammengelegt-weihnachtengefeiert-achtwochengrippeüberlebt-hunderterleutekennengelernt-jedensonntaggottesdienstgehalten-undicheinekrabbelgruppegestartetnebenalldemnoch-undbesuchwarauchschondawieschön-wennauchmanchesnochinkistensteht…

Wir sind glücklich. Und haben uns noch nicht gelangweilt … 😉

Also dauert wohl Weihnachten bis nach Ostern… Und wir schreiben vielleicht Pfingstkarten.

🤔 gibt es eigentlich PfingstKarten? 

Jedenfalls:

Frohe Ostern! Er ist auferstanden! ☺

Frohe Weihnachten! 

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Sie wissen, dass Frau Pfarrer Predigten schreibt und nicht dazu kommt, Kekse für das Fest zu backen. Also stehen sie am Christtag vor dem Gottesdienst da mit einer Auswahl, die einfach traumhaft schön und lecker ist. „Frohe Weihnachten, Frau Pfarrer! „-sagen sie, und sie merkt, dass ihnen das Schenken eine echte Freude ist.

„Nicht in meinem Namen“

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Ist ein Fundstück, das passt. 

Und ich in Seinem Namen unterwegs. Das ist dann friedlich und unspektakulär. Adventsndachten in Wohnküchen und Feuerwehrhäusern meiner weit verstreuten Diasporagemeinde. Sie freuen sich, wenn Frau Pfarrer kommt. Nach der Andacht kommt Tee und Selbstgebackenes auf den Tisch und es wird erzählt. 

Wir freuen uns auf Weihnachten. Und wünschen euch gesegnete Tage. 

Sonntag – verloren, gesucht, gefunden

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„Ich danke Christus Jesus, unserem Herrn, der mir die nötige Kraft gegeben hat. … Ja, unser Herr schenkte uns Gnade über alle Maßen. Und mit ihr Glaube und Liebe, die aus der Verbundenheit mit Christus Jesus erwachsen. … Das folgende Wort ist zuverlässig und verdient vorbehaltlose Annahme: >>Christus Jesus ist in diese Welt gekommen, um die Schuldbeladenen zu retten.<<“ (aus dem 1.Timotheusbrief, Basisbibel)

Der 3. Sonntag nach Trinitatis. Die Evangelien erzählen die Geschichten vom ‚Verlorenen‘ – vom Schaf, Sohn, Groschen, dann ist da noch die Zachäusgeschichte. Ich lese. Etwas zu verlieren kenne ich. Inklusive Weg. Schwerer tue ich mich mit dem Gedanken, des ‚Umkehrs‘ – er riecht fromm, aus einer Welt, die Menschen klein macht, ihnen Liebenswürdigkeit und oft genug auch Würde abspricht: Du bist falsch!

Ich lese. Und lasse die alten Texte durch mein Herz: sie sind anders. Da ist Liebe. Geduld und dieses altmodische Wort ‚Gnade‘. Natürlich macht Zachäus alles richtig, sehr gut sogar – nach seinen eigenen Kriterien; er macht sogar Karriere, wird reich dabei. Auch der ‚verlorene‘ Sohn tut nichts anderes, als seinen Sehnsüchten, seinem Entdeckungsdrang nachzugehen… Das Schöne ist, dass ich kein Wort Vorwurf finde in den Geschichten. Nicht ein einziges. Die Rezeptionsgeschichte ist freilich eine andere – wie oft – und wie sich da die erhobenen Zeigefinger… ach ja.

Nicht Jesus. Jesus geht nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herum. Er ist einfach da. Geduldig und freundlich und zugewandt.

Und das reicht schon. Um die eigenen Wege zu überdenken. Waren die Ziele richtig? War der der Weg? Oder doch anders?

Zachäus ändert alles. Die alten Ziele haben keinen Wert mehr in der Nähe Jesu. Genau so ist es mit Paulus.

Woran das liegt? Vielleicht daran, dass ganz anderes wichtig wird in der Nähe Gottes. Oder daran, dass uns Jesus Kraft für Veränderung gibt und Vertrauen schenkt. Oder dass aus der Verbundenheit mit ihm Liebe und Glaube wächst…

Sucht aus.

Jedenfalls ist der Satz – auch für mich – wirklich wahr: Jesus ist gekommen, um mich zu finden. (…und Schuld? Nun, DAS ist vielleicht genau das, wenn ich total auf dem Holzweg bin und auch noch meine, alles richtig zu machen und nichts und niemanden zu brauchen – und dabei die Liebe zu mir und zum anderen übersehe… Aber das ist ein anderes Kapitel…)

Jesus vertraut uns. Traut uns Gutes zu. In der Verbundenheit zu ihm.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Da war noch…

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…dieses Lied, das mich doch ziemlich lange beschäftigt hat. Gehört habe ich es am Sonntag Rogate – an dem Sonntag, als ich gerade darüber gepredigt hatte, dass das Beten, vor allem das gemeinsame Gebet eine Menge verändern kann. Ich hatte an dem Sonntag zu meiner Gemeinde gesagt, dass das Gebet richtig mächtig ist, und dass es uns zwar erst einmal gar nicht so erscheinen mag, aber dann doch: es verändert nicht bloß unsere innere Realität, sondern auch die Welt um uns herum.

Und zwar deswegen: Weil wir uns Gedanken machen über die Dinge. Und sie dann ansprechen. Erst vielleicht still, im Kämmerlein. Dann aber auch öffentlich. In der Kirche – und dann auch nach Außen. Und, ganz wichtig: es ist ja nicht bloß ein ethisches oder politisches Statement, das wir da machen –  wir rechnen fest mit der Realität, dass wir da einen Verbündeten haben, der mächtiger ist, als wir und als all das, was uns zu schaffen macht, was uns umgibt, wovon wir jetzt vielleicht denken, es sei unveränderlich oder alternativlos.

Und dann hab ich Beispiele gesammelt. Historische natürlich, denn die Zukunft sehen wir noch nicht. Die Reformation – nicht zuletzt auch eine soziale Bewegung, die Menschen Freiheit und Bildung ermöglichte. 1989 – die Wende: Montagsgebete… Friedensgebete. Und, und, und…

Auf dem Heimweg hörte ich dann das Lied „Where is the Love“ von Black Eyed Peas mit der Frage: Can you practice what you preach?

Lyrics hier.

Jedenfalls frage ich mich seither, wann wir endlich wieder anfangen, öffentlich Gebete für Frieden, gegen Waffenhandel, ungerechtes Wirtschaftsgebaren und all das zu veranstalten.

„Es würde keiner kommen.“ – so sagte man mir, als ich vorschlug, es einfach zu tun.

Da bin ich mir nicht so sicher.