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Krankenhaus, irgendwo in der süddeutschen Provinz. Spezialgebiet: Neurologische Erkrankungen. Insbesondere Anfallskrankheiten. Kinderstation.

Es ist Sonntag. Ein junger, schlanker, afrikanischer Priester sammelt die Kinder – viele in Helm, einige im Rollstuhl, manche noch schlimmer dran, in den Armen ihrer Eltern. Er versammelt sie und ihre Eltern in der Turnhalle. Eine Kapelle gibt es ja nicht. Und wenn es eine gäbe, müsste sie aussehen, wie diese Turnhalle, denn manche liegen auf den Matten, andere müssen herumturnen und wieder andere brauchen die Gerätschaften, damit sie abgestützt werden können.

Eltern

Eltern (Photo credit: depone)

Und die Eltern brauchen viel Nähe. Manche von Ihnen auch viel Distanz.

Der Priester singt. Etwas Leichtes, damit nach Wiederholungen möglichst viele einstimmen können. Erzählt die Geschichte vom Blindgeborenen. Und dass immer alle Welt fragt, was man falsch gemacht hat, dass man das ganze Elend ertragen muss… Dann lächelt er sein weißes Lächeln und sagt: „Absolut nichts. Gott liebt euch alle, ganz genauso, wie ihr seid. Nichts falsch gemacht. Es ist schlimm. Aber es ist keine Strafe. Er hilft euch tragen.“

Ich sehe es in den Gesichtern und spüre es im eigenen Bauch, wie Manches doch ein wenig leichter wird. Die Schuldfrage schleppt heute keiner mehr mit…