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– fragt mich die Sprechstundenhilfe völlig entgeistert. (Sie empfängt mich zum allerletzten Temin am Freitagnachmittag, den ich gerade so hechelnd noch wahrnehmen kann – ich habe jetzt schon 10 Stunden Arbeit, einen Gottesdienst, eine schwierige Beerdigung, Seelsorgegespräche, Kontaktstunde im Kindergarten und was noch alles hinter mir. Ich sehe wohl ein wenig gerupft aus, was ich, wie gewöhnlich, der Hitze zuschreibe.) „Wieso tun Sie sich das an? Sind Sie überhaupt fest angestellt?“

Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen

Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen (Photo credit: Wikipedia)

Ich wundere mich über die Frage und tue dies kund, während sie mir routiniert ein Glas Wasser in die Hand drückt.

„Wieso tun Sie’s?“ – fragt Sie noch dringender. – „Wieso, bei den Stellenaussichten und bei den Arbeitsbedingungen?“

Verwundert antworte ich so, wie immer: „Weil ich nicht anders kann. Wenn Gott möchte, dass ich diese Aufgabe mache, dann ist es so.“ Und ich denke bei mir – „Mensch, klingt das begeistert… Ich wäre ja so gern irgendwie strahlender. Bin ich aber nicht. Kann ich nicht. Nicht heute. Heute nicht. 😦 “

Und doch schaut sie mich zufrieden an, als wollte sie genau das hören. Dieses „Ich stehe hier und kann nicht anders.“ Dann sagt sie: „Meine Freundin sagte genau das Gleiche. Und dann haben sie sie in die Arbeitslosigkeit ordiniert…“

Wir reden noch lange darüber, wie enttäuscht sie über Kirche ist. Und darüber, dass wir uns beide Gemeinden wünschen in denen endlich Jesus Christus und nicht persönliche Eitelkeiten und Interressen der Mittelpunkt sind. Und ich schäme mich ein wenig mehr dafür, dass es uns so schlecht gelingt. Und ich habe auch ganz viel Hoffnung: Denn ich habe heute wieder einen Menschen getroffen, der sich trotzdem in der Kirche engagiert. Denn wir sind Kirche. Sie wird, wie wir sie leben.

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