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Der drittletzte Sonntag des Kirchenjahres. Wie sich das Gleichnis von der bittenden Witwe hierherverirrt, ist mir noch nicht ganz klar, denn das Thema des Sonntag ist das Kommen des Reiches Gottes…

Nun, vielleicht so: Wenn das Reich Gottes kommt, dann hört das Chaotische, das Unvollendete, das sehnsüchtige Warten auf. Dann greifen die guten und heilsamen Ordnungen des Himmlischen Vaters.

So, wie bei dieser Frau. Sie macht sich die Mühe, sich darüber im Klaren zu werden, was sie eigentlich braucht und will. Sie gibt sich nicht mit billigem Trost und wagen Sehnsüchten zufrieden. Sie will das geregelt haben. Sie will, dass sie Recht bekommt, dass Ordnung und Ruhe und Frieden einkehrt. So macht sie sich auf. Füllt alle notwendigen und überflüssigen Formulare aus, geht hin und spricht für ihre Sache. Sie spricht für sich. Hartnäckig. Lässt sich nicht abweisen. Akzeptiert kein nein. Bis sie Recht gesprochen bekommt. Bis alles in Ordnung ist.

Der Predigttext für diesen Sonntag, aus dem Lukasevangelium, Kapitel 18,1-8:

Er sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir soviel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage. Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er’s bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?

Das Reich Gottes ist noch nicht. Aber es ist angebrochen. Wir erleben es überall dort, wo Menschen mündig für sich einstehen. Wo mit Entschiedenheit für Recht und Gerechtigkeit gesprochen und gekämpft wird.

Dass es anstrengend ist, sehen wir an der Witwe. Aber auch, dass es sich lohnt. Wir wollen keine billige Vertröstung, keine hirnlose Bespaßung als Ersatz, keine verschossenen Türen, kein nein, wenn es um Recht und Würde geht.

Und die Verheißung?

Gott wird uns Recht schaffen in Kürze.

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