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…hat ihre Familie zu ihr gesagt. Das berichtet sie mir mit einer eigentümlichen Stimmfarbe am Telefon. Ich kann es nicht zuordnen, ob es Angst, Wut oder Überforderung ist. Vielleicht weiss sie es noch selber nicht, wie sie mit diesem Imperativ umgehen soll.

Ich frage sie, was das „Josef-Sein“ bedeutet. Sie erzählt, dass man von ihr erwartet, dass sie in einem fremden Land Karriere machen, Geld verdienen und für ihre daheimgebliebene Familie sorgen soll. Sie ist noch keine 30 Jahre alt.

Ich frage sie nach ihren eigenen Wünschen. „Das wäre egoistisch, an sich zu denken“ – sagt sie.

Eine gnadenlose Auslegung der Josefsgeschichte, denke ich mir. Und doch treffe ich sie letzter Zeit immer öfter – die Josefs und die Josefinen, die sich aufmachen aus Süd und Ost. Sie sind hier, weil ihre Träume dort, zu Hause nicht wahr werden und bestenfalls Gelächter ernten. Ein buntes, tolles Gewand haben sie wohl nie gehabt und ihre Familien wissen sehr wohl, dass sie leben. Und die Erwartungen an sie sind enorm: aus dem Stand sollen sie erfolgreich sein, Geld schicken, von Glück berichten. Oft erst Mitte-Ende Zwanzig und am Berufsanfang sorgen sie schon für Eltern, Großeltern und eigene Kinder. An dieser Stelle nicht viel gemein mit dem biblischen Josef, der sich doch erst einmal unabhängig erproben und etablieren kann – wenn auch mit Brüchen in der Biographie – seinen eigenen Weg finden. Der Druck auf der heutigen „Josefsgeneration“ ist massiv.

Und doch habe ich Hoffnung. Denn sie berichten Gutes. Bringen ihre Neugeborenen zur Taufe und feiern mit uns ihre Erfolge, sei es der neue Job, eine endlich gefundene Wohnung oder der Doktortitel. Und sie halten zusammen – das ist das Schöne dran, dass es momentan viele sind: sie sind nicht alleine.

Ich habe Hoffnung, denn sie sind nicht alleine, auch deswegen nicht, weil eine andere Generation, eine, die vor ihnen Ähnliches erlebt hat – und immer noch erlebt – vorgesorgt hat. Heute haben wir Orte, wo sie hinkommen können. Und sie kommen!

Ich habe Hoffnung, denn Eines aus der Josefsgeschichte trifft unbedingt auf sie zu, und das hat ja ganz viel mit dem Merksatz zu tun, was ich schon den hiesigen Kindern mitgegeben hatte: Auch, wenn die Menschen es nicht ganz so toll hinkriegen, Gott macht es gut!

Und eines noch, das habe ich neulich im Bibelkreis gelesen, an der Stelle, wo Josef in Potifars Haus kommt: Da steht sinngemäß: „Und der HERR segnete Potifars ganzes Haus um Josef willen.“ – Die, die heute zu uns kommen, aus der Ferne, sie bringen uns Segen…

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