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Der Sonntag war lang.
Zwei schöne Gottesdienste, da gibt es nichts zu meckern – und es ist wunderbar zu sehen, wie die Gemeinde, die ich vor 10 Jahren gegründet habe, wächst. Nicht nur an Mitgliederzahl, sondern und vor allem an Gemeinschaft, Zusammenhalt, an commitment – würde ich auf Englisch sagen und finde gerade kein besseres Wort. Advent haben wir gefeiert in meiner Community – und ja, weil viele von uns nach „Hause“ fahren über die Feiertage – auch schon Weihnachten.
„Es ist schon was Besonderes, so eine Gemeinschaft hier in der Ferne zu haben.“-  sagt mir ein junger Mann, der erst diesen Frühling in Deutschland angekommen ist. „Zu Hause ist das alles selbstverständlich, hier ein Geschenk…“
„Es war ein gutes Jahr.“- mit diesem Resümee trennt sich mein Vorsitzender von mir, obgleich auf dem Gemeindekonto mal wieder weniger als 100€ sind… Wir kommen immer hin. Ehrenamtlich natürlich. Kirche geborgt – eine offene Tür der ansässigen deutschen Gemeinde, Kirchenkaffee aus Kuchenspenden: und was für sagenhafte Bäckerinnen wir haben! Jeder trägt bei, was er kann: heute hat ein Ehepaar einen Adventskranz mitgebracht, andere kamen extra früher, um Tische und Stühle zu stellen, manche bieten Mitfahrgelegenheiten, denn wir haben ein Einzugsgebiet…
Ach ja, und die Musiker: jahrelang suchte ich nach jemandem, der uns auf dem Klavier begleitet, nun sind wir doppelt gesegnet – wir haben noch einen guten Gitarristen obendrein!
Ich bin einfach nur dankbar – auch dafür, dass diese kleine Community nun auch schon Nachwuchs ausbildet: Unsere Vikarin hat heute wunderbar über jene offenen Türen gepredigt…
Und wir feierten Abendmahl – bei der archaischen Liturgie in der Sprache meiner Kindertage ging mir das Herz auf…

Danach lange, wichtige Gespräche mit denen, die diese Dinge nicht in einer erlernten Sprache artikulieren könnten… Seelsorge in der Muttersprache – ja, manchmal sieht’s nach Kaffeeklatsch oder freiwilligem Spülen aus, denn man verzieht sich einfach in die ruhigste Ecke… Danach, wenn nötig, Fortsetzung telefonisch.

Denn die räumliche Entfernung ist groß, und ich merke, wie anstrengend das Fahren manchmal ist.

Gut, dass es da noch andere offene Türen gibt in dieser Stadt – die von alten Freunden. Die Freude über meinen unerwarteten Besuch ist groß und echt, das Interesse an dem, was mich bewegt, ebenfalls. Als es über das Erzählen und gegenseitigem Ausfragen Abend wird und die Autobahn mich ruft, bieten sie mir widerwillig Kaffee an. Fragen dann, mit Nachdruck: „Willst du nicht lieber ein Bett?“ -als würden sie kein nein akzeptieren…
Also sage ich ja. Und bleibe. Packe mit ihnen Wichtelgeschenke für die Weihnachtsfeier der Kinder ein, leihe  mir ein T-Shirt zum Schlafen und hole meine Zahnbürste aus der Handtasche… (ja, ich habe immer eine dabei, für alle Fälle)

Offene Türen, offene Herzen…
Ich freue mich.
Das hier ist etwas richtig Gutes.

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