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Ich hatte gerade um meinen alten Freund geweint – so wie alle, denen er so nahe stand, die ihn geliebt haben.
Nur war ich vor Jahren hier die Pfarrerin gewesen…
Meine ehemalige Küsterin saß mit mir in einer stillen Ecke, beim Beerdigungskaffee, an mich gelehnt, mal ihr Kopf auf meiner Schulter, mal umgekehrt. Es hat uns gut getan, uns getröstet.
Bis sie ankam. Frau F. stellte sich mit Namen vor, obwohl ich sie aus unzähligen Kirchengemeinderatssitzungen kannte: „Wussten Sie nicht, dass er sterben würde?! Er war doch schon lange krank! Das konnte man doch wissen! Und Sie als Pfarrerin sollten sich ein Beispiel an ihm nehmen, mit welcher Zuversicht er starb!…“
So fuhr sie noch eine ganze Weile fort, meine Trauer offensichtlich für völlig unstandesgemäß, nicht gläubig genug haltend – oder wollte sie noch eine aufmunternde Predigt von mir hören? Keine Ahnung. Ist mir auch egal, was sie wollte. Ich war dort als Privatperson und habe einen Menschen betrauert, der mir so nahe stand, als wäre er mein Vater gewesen.
Für alles andere stand ich nicht zur Verfügung. Ich stand auf und brachte der Witwe, die, als ob sie riechen könnte, dass ich Unterstützung gebrauchen könnte, zu uns kam, ‚was zu Essen. Denn sie ist wie meine zweite Mutter.
Mich als Pfarrerin gab es da nicht. Ganz schön unprofessionell. Mag Frau F. gedacht haben. Genau richtig. Denke ich.