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Kirchenmusikfreizeit. Jahr für Jahr waren sie dort, im L-förmigen Pfarrhaus, wo sogar die letzte Scheune in Schlafsäle umgebaut war, damit sie alle Platz hatten… Geprobt wurde in der Kirche und gegessen an langen Tischen mit Bänken auf der Veranda. Am Ende der Woche gaben sie mehrere Konzerte und dann noch einmal in September in der Stadt. Seit sie klein war, ging sie Sommer für Sommer dort hin – als Klavierspielerin eben „nur“ zum Chorsingen.

A cello being played

A cello being played (Photo credit: Wikipedia)

Er war ein Wunderkind. Cellist. Spielte schon damals mit den großen Orchestern – und hier: Solo. Doch hatte er Angst davor, dass ihm die Fledermäuse aus dem Kirchturm in die Haare fliegen würden… Sie nicht. Sie fand die Vorstellung witzig. So begleitete sie ihn in die Kirche und saß auf dem Teppich vor seinem Cello, während er spielte – die Resonanzen des Instrumentes waren körperlich spürbar, was sie überraschte…

Nach dem Sommer schrieben sie einander. Briefe. So viele davon, dass sie manchmal zwei parallele Unterhaltungen führten, nicht abwarten-könnend, bis die Post endlich so weit war. Teenagergedanken und -träume können nicht warten…

Bis dann jener Cello ihn fraß – es waren nicht die Fledermäuse. Als er Jahrzehnte später in ihrer Stadt spielte, erwog sie ein Treffen, verwarf es dann wieder: Ein Maestro soll er geworden sein – mit Allüren und viel Ego. Sie behält lieber das Bild vom Jungen mit den blonden Haaren, der in der Kirche spielte und seine Träume aufschrieb…

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