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Ich mag die Urgeschichten. Auch diese hier, die für den 4. Sonntag nach Epiphanias vorgesehen ist aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 8,1-14:

„Aber Gott hatte Noah und die Tiere auf dem Schiff nicht vergessen. Er sorgte dafür, dass ein Wind aufkam, der das Wasser zurückgehen ließ. Die Quellen in der Tiefe versiegten, und die Schleusen des Himmels wurden verschlossen, so dass kein Regen mehr fiel. Nach den hundertfünfzig Tagen ging das Wasser allmählich zurück, und plötzlich – am 17. Tag des 7. Monats – saß das Schiff auf einem der Berge von Ararat fest. Schon bis zum 1. Tag des 10. Monats war das Wasser so weit gesunken, dass die Berggipfel sichtbar geworden waren. Nach weiteren vierzig Tagen öffnete Noah das Fenster und ließ einen Raben hinaus. Der flog so lange ein und aus, bis das Wasser abgeflossen war. Noah ließ eine Taube fliegen, um zu sehen, ob das Wasser versickert war. Aber die Taube fand keinen Platz zum Ausruhen, denn die Flut bedeckte noch das ganze Land. Darum kehrte sie zu Noah zurück. Er streckte seine Hand aus und holte sie wieder ins Schiff. Dann wartete er noch weitere sieben Tage und ließ die Taube erneut hinaus. Sie kam gegen Abend zurück, mit dem frischen Blatt eines Ölbaums im Schnabel. Da wusste Noah, dass das Wasser fast versickert war. Eine Woche später ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen, und diesmal kehrte sie nicht mehr zurück. Im 601. Lebensjahr Noahs, am 1. Tag des 1. Monats, war das Wasser abgeflossen. Noah entfernte das Dach vom Schiff und hielt Ausschau. Tatsächlich – das Wasser war verschwunden! Am 27. Tag des 2. Monats war der Erdboden wieder trocken.“

Sintflut. – Wie kann sie die Sintflut mögen?-mag sich manch‘ einer denken… – Es ist so: Diese Geschichte ist typisch. Sie erzählt so wenig über die Naturkatastrophe, und – wenn man mir heute eine so wenig theologische Lesart erlauben mag – so viel von uns. Deswegen mag ich sie. Da gibt es also diese Naturkatastrophe, Tsunami, was auch immer, die anderen Völker der Region wissen auch davon und deuten sie auf ihre Weise. Die Bibel auch. Und da sind die ganzen Typen aufgereiht, die wir doch alltäglich beobachten können. Der, der sagt, dass es alles unsere Schuld und Gottes Strafe ist, dass es so weit mit uns kommen musste: die Vernichtung der Menschheit. Und der, der sich lieber hinstellt und eine Arche baut – unwahrscheinlich, dass es was hilft, aber immerhin. Und die, die die ganze Situation nicht ernst nehmen. Und… ach ja, dann haben wir noch den, der alles in Daten und Fakten und Zahlenwerk fassen muss, und…

Als könnten wir irgendetwas von dem, von unserem Leben und Sterben, unter unsere persönliche Kontrolle bekommen. Durch Erklärung, Beschreibung, Aktionen oder Nichtbeachtung…

Wie gesagt, ich finde es total spannend, diese Geschichte von der Sintflut zu lesen. Nicht zuletzt deswegen, weil Gott am Ende angeblich seine Meinung ändert: Er würde nie wieder die Menschheit zerstören wollen… Ich frage mich nur, ob er das je wollte. Ich frage mich nur, ob wir nicht ganz schön oft ein falsches Bild von ihm haben und wenn wir dann genug mit ihm erlebt haben unsere eigenen Worte wieder schlucken müssen.

Spannend auch deswegen, weil die Rettung so unglaublich umständlich und menschlich und langwierig und all das ist – gar nicht „Gott-like“… Aber mal ehrlich: das scheint ein Spleen von Ihm zu sein, seine Sachen nicht „Gott-like“ zu erledigen, oder? 😉

Letztlich gewinnt bei dieser Geschichte jener, der wider jeder Vernunft einfach vertraut. Nicht, dass es für Noah ein Spaziergang war: ein halbes Jahr und dann noch eine Woche und noch eine Woche und noch… in der Arche warten müssen auf einen unsicheren Ausgang… Hmm. (…und wie es da gerochen haben muss – Mensch, ich bin wirklich eher für eine allegorische Auslegung…)

Aber Gott hat ihn nicht vergessen. So steht es da. Wie er auch die anderen (uns andere!) nicht vergisst, die nicht, die für alles eine Erklärung haben und auch die nicht, die für alles Zahlen und nicht die Skeptischen und…

Gottes Zoo ist groß. Ähm – Arche. 😉

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