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…tauchen Namen, Daten, Telefonnummern und manchmal auch kurze Anmerkungen zur Lebensgeschichte auf: sie waren einmal in der Community. Haben ihren Abdruck hinterlassen. Wir heißen so, haben uns aufgemacht – in der Hoffnung, dass es uns hier gut gehen möge, mit dem neuen Job, mit der Doktorandenstelle, was auch immer der Hintergrund… Kinder haben wir dabei: A. ist 5 und P. ist 3, die Frau bleibt zunächst zu Hause, lernt die Sprache – ob wir in der Gegend bleiben, wissen wir noch nicht: der Vertrag geht nur 1 Jahr…

Und oft dauert es viele Monate, bis sie zu uns finden. Sie freuen sich. Über den Zuspruch. Die Muttersprache. Den Austausch. Und darüber, dass wir ihnen berichten: es kann gut werden.

Und sie tragen sich ein, schreiben auf, was für sie wichtig ist – und dann…

Manchmal bekommen wir Briefe, e-mails vom anderen Ende der Welt, dass es gut wurde. Manchmal nicht mal das. Manchmal kommt einer vorbei und sagt: Sie haben mich geschickt. Sind dort und dort, es ist alles gut, und sie haben nicht vergessen, dass sie damals nicht alleine waren.

Und dann erzählt der Eine eine ganz ähnliche Geschichte – ausgezogen aus seiner Heimat, um ein gutes Leben zu suchen… Hinterlässt uns ein memento mit Namen, Telefonnummer und allem, was ihm wichtig erscheint… Ob er hier bei uns Fuß fassen wird?

Eigentlich bräuchte meine Community einen „ganzen“ Pfarrer – immer wieder stoße ich an lose Enden, auf Unerledigtes, auf Momente, wenn ich denke – hätten wir nur die Ressourcen…

Was bleibt ist der monatliche Gottesdienst. Und das ist viel. Denn er macht den ganzen Unterschied zwischen Versammeln und Hoffnungswort sprechen, Gegenwart erleben – und dem Nichts.

Integration ist wichtig, keine Frage. Sie ersetzt allerdings dieses nicht. Nicht die Lieder, die ich von Kind auf inwendig singen gelernt habe und die auch noch nach 25 Jahren Kraftquelle sind, nicht den Ankerpunkt für diejenigen, die, betroffen von der maßlosen Gier und Gewinnstreben von Banken und Multis keine anderen Chancen für sich sehen, als ihre Länder zu verlassen, damit sie ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen müssen und damit ihre Kinder nicht Not leiden. Wir erleben einen wahrhaften Exodus von jungen Menschen aus Lebenssituationen, in denen sie keinen Platz mehr für sich sehen. Und doch wollen sie alle nach Hause, auch, wenn sie – darum wissen sie sehr wohl – in reicheren Ländern ein besseres Vorankommen hätten. Nicht wenigen, die ich kenne, geht es um ein Startkapital, sowohl, was Berufserfahrung, als auch was Monetäres angeht. Dann wollen sie nach Hause.

Was aus dem Wunsch wird, steht auf einem anderen Blatt. Wie werden sich die Länder im Süden und Osten entwickeln? Wie die individuellen Lebensgeschichten? Ich weiß es nicht.

Was ich weiß ist, dass ich gut daran getan habe, diese Gemeinde zu gründen und ich weiterhin meinen Beitrag dazu leisten werde, dass diese Menschen gesehen und aufgenommen werden und eine Heimat in der Ferne finden, bis sie sich beiheimaten – und darüber hinaus, denn dann haben wir eben zwei „Zuhausen“.

Und was ich auch weiß, ist, dass es ein Reden über Integrationsunwilligkeit und Leitkulturen und Sozialtourismus der eigenen Bequemlichkeit dient und sicher nicht den Realitäten entspricht. Es muss sich was an dieser Kultur von Gier und Egoismus ändern, wenn wir wollen, dass es gut wird mit unserer Gesellschaft… (Aber das ist wieder eine andere Diskussion, mit der ich meine Zeit nicht mehr verschwende.)

Ich setze mich fast jede Woche ins Auto (in meiner Freizeit) und unterstütze 3 Gemeinden dabei, dass sie denen Hoffnung und Gemeinschaft bieten, die sich auf den Weg gemacht haben… Gründe genug hatten sie alle.