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Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Schweigen hängen für die Mönche von jeher zusammen. Der vordergründige Aspekt des Schweigens ist der des Loslassens. Wer schweigt, verzichtet darauf, zu reden oder sich zu äußern. Dieser Verzicht setzt sich fort im bewußten Abstand seinen Gedanken, Gefühlen und Stimmungen gegenüber. Solches Schweigen kommt letztlich einem Verlassen der Welt gleich. In ihm geht der Mensch den Weg von außen nach innen, er wechselt gleichsam den Standort seines Lebens. Das äußere Schweigen ist dazu da, dem inneren Schweigen Raum zu geben; es rührt gewissermaßen an jene Stelle, wo das Schweigen in unserem Innern wohnt. Hier schlägt die eher negative in eine endgültig positive Sicht des Schweigens um: „Das Schweigen besteht nicht nur darin, dass der Mensch aufhört zu reden. Das Schweigen ist mehr als bloß ein Zustand, in den der Mensch sich versetzen kann, wenn es ihm passt. Wo das Wort aufhört, fängt zwar das Schweigen an. Aber es fängt nicht an, weil das Wort aufhört. Es wird nur dann deutlich. Das Schweigen ist ein Phänomen für sich. Es ist also nicht identisch mit der Aufhebung des Wortes, es ist nichts Reduziertes, es ist etwas Ganzes, etwas, das durch sich selbst besteht, es ist zeugend wie das Wort, und es formt den Menschen wie das Wort, nur nicht im gleichen Maße. Das Schweigen gehört zur Grundstruktur des Menschen.“ (M.Picard) Der Mönch geht ins Schweigen und lebt im Schweigen, weil er die Verbundenheit mit Gott und der Welt sucht. Das Schweigen, das nicht Verweigerung ist, besagt eine sehr radikale Weise von Liebe. Es ist völlig selbstlos, kennt keinen Nutzen und keinen Zweck. Das Schweigen ist für den Mönch die wahre und eigentliche Sprache der Liebe. Schweigend schaut er Gott und die Welt mit einem umfassenden Blick der Liebe an, schweigend hält er sich ihnen ganz hin, schweigend ist er ganz für sie da. In ihm gehen Liebe und Schweigen ineinander über: Liebendes Schweigen und schweigende Liebe berühren einander. Im Schweigen erfährt der Mönch die Gegenwart der Liebe Gottes. Je mehr er ein Schweigender wird, desto mehr wird er auch ein Liebender, in dem Gott die Welt liebt, und durch den die Welt Gott liebt. Von solchem Schweigen geht etwas Heilendes und Verbindendes aus; in ihm bricht ein Stück Ewigkeit in diese Zeit ein. Das Echo schweigender Liebe, die den Mönch bei allen sein lässt, lässt sich nicht messen, aber es ist da. In dem Maß, in dem er selber ein Stück echten Schweigens wird, trägt er, Schweigen lebend, dieses Echo in die Welt hinein.

Christian Schütz, In:Buch der Ruhe und der Stille, Inspiration aus dem Geist der Klöster, Freiburg 2003