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Ich hab’s nicht so mit Paragraphen. Das nur vorab bemerkt, denn es gab eine Zeit in meinem Leben, in der es ganz anders war. Da fand ich sie schön, geradezu wunderbar, wie sie in der Lage waren, für alles und jeden eine Richtschnur zu sein, wenn man sie nur vernünftig, mit Augenmaß und Weisheit gebrauchte. Ich fand Gefallen an ihrer Präzision und an ihrem Umfang – wie sie für jede Lebenslage und Gegebenheit eine gute Ordnung hatten, oder zumindest zu finden suchten. Ich fand Gefallen an den Fällen und daran, wie man für jeden von Ihnen die Anwendung des richtigen Paragraphen suchte – greift hier diese Regelung oder jene? – haben wir etwas außer Acht gelassen und ist auch dem Geist des Gesetzes genüge getan? Es war wunderbar, es schien wunderbar, diese Zeit, als ich dachte: „Ja, so lässt sich alles gut regeln.“ Promotion und Professur waren schon fest geplant…

Bis dann…

Tja, wenn das Leben anfängt, das Drehbuch zu schreiben, dann retten dich die wohlgeordneten, fein säuberlich durchnummerierten, klar aufgebauten, gut strukturierten Gesetzestexte auch nicht. Da bist du froh, wenn dein Hochleistungshirn dir rechtzeitig signalisiert – die Kaffeetasse ist voll, damit du nicht schon wieder die ganze Küche aufwischen musst…

Und dann merkst du: Du passt nicht in die „guten Ordnungen“. Denn du warst von jener Seite des Tisches nicht denkbar, nicht geplant. Und weil du plötzlich auf der anderen Seite sitzt – wenn sie dich überhaupt an den Tisch lassen, die eben noch so gerne mit dir saßen – siehst du. Du siehst all jene, die bis dahin nur ein „Fall“ waren. Von denen du dachtest, sie fein säuberlich einorden zu können – du weißt ja, welcher Paragraph greift… Du siehst sie anders, denn du siehst den Druck, die Angst, den Schmerz, weil du ihn ja selber spürst.

Warum mir das gerade jetzt einfällt?

Nun, ich lese immer noch die Paragraphen. Einfach so. Aus Interesse. Beobachte, wie lange es dauert, bis sie sich dann doch noch an die Lebensrealitäten anpassen – denn sie tun es dann letzten Endes doch, wenn auch oft genug nicht aus jenen hochgelobten Weisheitsgründen, sondern schlichtweg aus profanen „Not“wendigkeiten, wie Finanz- oder Personalengpässen. Aber immerhin. Und jetzt lese ich im §39 Abs. 2 Pfarrdienstgesetz diese Ergänzung:

3. Ziffer B II. wird um einen Punkt 4. ergänzt:
„4. Die Bestimmungen über die Ausnahmen von dem Erfordernis der Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche (A 2) finden auch Anwendung, wenn die Ehepartnerin oder der Ehepartner keiner Kirche oder Religionsgemeinschaft angehört.“

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen…

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