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Ich rufe ihn spätabends an – ich trau‘ mich kaum, denn es ist schon fast 10 Uhr, der Mann alt, geht wohl schon auf die 80 zu, mein alter Organist… Scheu nützt aber nichts, morgen früh um 8 habe ich Schulgottesdienst und sonst stehen wir ohne Musik da – manchmal ist es ein Kreuz mit den unerwarteten Zwischenfällen.

Er freut sich. „Weil Sie es sind“ – sagt er – „werde ich kommen.“ Und da steht er auch, am nächsten Morgen, früh schon, wie immer, um halb 8, damit er auch das Instrument in Augenschein nehmen kann, bevor der Gottesdienst beginnt. Er strahlt mich an: „Schön, Sie zu sehen.“

Später sitze ich in der ersten Reihe, noch in Talar, er spielt. „Wollen Sie noch ein Stück hören?“ „Au ja, bitte!“ – antworte ich. So spielt er weiter, ein Stück nach dem anderen, zu jedem hat er eine Geschichte zu erzählen. Meine Küsterin läuft währenddessen in der Kirche und im angrenzenden Gemeindehaus herum, bereitet den Tag vor, der schön anfängt, von dem ich aber noch nicht weiß, wie irre schön er werden würde.

Der alte Mann spielt und erzählt. Jedes Stück hat eine Geschichte, eine besondere Bedeutung – ist ein Geschenk. Ich fasse zusammen: „Das ist, wie nochmal Gottesdienst. Und ich sitze hier nur.“ Er: „Ja, wo zwei oder drei…“ – lächelt mir und der Küsterin zu, die gerade hereinkommt, um die Kerzen zu löschen.

Der perfekte Tag hat begonnen. Und ja, irgendetwas in mir spürt es wohl – ich nehme den Blumenstrauß von meinem Tisch und gebe ihn ihm – als Dankeschön zu wenig, aber er versteht. „Wir bleiben in Verbindung.“