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– fragt er am Telefon. Wir lachen. „Mal wieder so schön doppeldeutig, wie immer…“ – sag‘ ich zu ihm, dem Mann meiner ältesten Freundin. „Was genau hast du mit mir vor? Muss ich mich jetzt fürchten?“ „Ja,“ – sagt er „ich werde dich in mein Auto packen und entführen. Und dann musst du die Nacht bleiben!“ – und lacht wieder. „Kannst du? Wo bist du überhaupt?“ „Ich sitze am Strand. War hier grad‘ am… Aber wenn du ein besseres Angebot machst…“ „Ja, immer, das weisst du doch! Limousinenservice und gebildete Unterhaltung und… ich hole dich ab und bring‘ dich morgen früh wieder, OK? Dann könnt ihr beiden euch um euer Seelenleben kümmern und ich…“ Jetzt fällt der Groschen: erstens hat er wohl ‚was auf dem Herzen – eine Autofahrt ist perfekt dafür, und: Holland spielt am Abend, das muss er einfach gucken – wenn er mich abholt, dann… Perfekt geplant, denke ich mir, und muss schmunzeln, denn es ist einfach nur charmant, wie er das mal wieder eingefädelt hat. 😉

Zwei Stunden später steht er da, sieht immer noch aus, wie ein liebenswerter Pandabär, wie damals, als er in unsere Welt getreten ist – diesmal mit dem ältesten Sohn im Schlepptau. „Habe ein Anstandswauwau mitgebracht, damit dir ja nix passiert!“ – grinst er, und küsst mich, wie hierzulande üblich, auf beide Wangen. Der Junge fällt mir um den Hals und plündert meine Schokoladenvorräte. Als Pandabär auftauchte, war es ein Drama. Nun, nicht für meine Freundin oder mich – für ihre Eltern ist der Himmel eingestürzt, hatte sie doch eine wunderbar konventionelle und gräßlich unglückliche Beziehung zu einem gleichaltrigen Mann aufgekündigt, der dabei war, eine sagenhafte politische Karriere zu machen, zugunsten von Pandabär: geschieden, 15 Jahre älter, und dann auch noch vom anderen Verein und auch noch so unverschämt, sie vor der Ehe mit dem ersten Sohn zu… Ach nein, ging ja gar nicht, diese Liaison, wie kann man nur! Bis heute sind die Ahnen nicht gut auf ihn zu sprechen, und sie ist einfach nur glücklich – chaotisch glücklich, wie man es eben sein kann mit 3 Kindern, Haus und einen ganzen korbvoll Katzen, die ihnen zugelaufen sind und Haus und Hof bevölkern… Der konventionelle Plan der Ahnen war natürlich anders: Karriere sollte sie machen und höchstens ein Kind haben, die sie dann von Kindermädchen aufziehen lassen sollte – niemals ihr Ding gewesen. Manchmal lachen wir darüber. Oft ist da aber auch viel Betroffenheit, denn wer hört schon gerne von der eigenen Mutter, dass man sein Leben versaut hat…

Die Seelenlebengespräche – nachdem wir die Kinder nach Geschichtenvorlesen und Abendessen ins Bett gebracht, die 6 Katzen, davon 5 ganz klein, gefüttert, Pandabär vor dem Fußballspiel verstaut haben – sind mal nachdenklich, mal lustig und tun einfach gut. Wir schauen weit in die Nacht hinein – es ist schon ein Privileg, eine Freundin, und eine solche dazu!, seit fast 30 Jahren zu haben. Pandabär kommt in der Halbzeit und zu allen anderen Zwischenzeiten dazu – das Spiel muss wohl gräßlich gewesen sein! – und versorgt uns mit Getränken. Sag‘ ich doch: er ist ein Volltreffer! Hab‘ ich immer schon gesagt.

Der Sonntagmorgen ist turbulent, wie er nur sein kann mit 3 Kindern und all‘ den Katzen und in Aufbruchstimmung: ich möchte in den Gottesdienst in die Weiße Kirche meiner Kindertage. Pandabär und ich packen sie alle ins Auto, damit meine Freundin einen Sturmfreien Vormittag hat, bevor sie uns nachfährt an den See.

Die große Kirche ist voll. Wir singen die Lieder meiner Kindertage – und ich verdrücke heimlich eine Träne, denn ein Teil von mir würde gerne hierbleiben, auch, wenn mein Leben seit zweieinhalb Jahrzehnten nicht mehr hier spielt: Heimat ist Heimat.

Die Predigt passt mal wieder (Ich glaube, Lk 10); der Pfarrer spricht darüber, dass sich die Jünger lange genug ausgeruht haben an der Seite von Jesus, jetzt wäre es langsam an der Zeit, dass sie sich aufmachen, und den anderen erzählen, was sie da von ihm gelent haben, was sie mit ihm erlebt haben. Es gibt viel zu tun und nicht genug Arbeiter…

Hm. Die Zeit im Haus am See neigt sich tatsächlich dem Ende zu – das war der letzte Gottesdienst in der weißen Kirche – danach ist tatsächlich wieder Alltag…

Jetzt geh‘ ich aber noch erstmal an den Strand. Die Sonne strahlt und die Wochenendler dürften sich langsam auch auf den Weg machen, so dass es wieder ruhiger wird…

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