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Ich gehe mit von einer Woche Kistenpacken und -entpacken schmerzenden Gliedern und einer gewissen inneren – hm, wie soll ich’s am besten beschreiben? – Unruhe? Rastlosigkeit? Unsicherheit? in meine kleine Kirche. Ja, die neuen Wege gehen nicht spurlos an einem vorbei, selbst dann nicht, wenn man weiß, sie sind richtig und wichtig, es wurde Zeit, sie zu gehen und dass sie Segen verheißen. Und doch ist dies mein Morgengebet – ein Zeichen wäre jetzt gut…
Und Gott spart nicht! 😉 Ich frage mich immer, wieso ich das Küken in der Kirche bin, wo doch jedesmal die Geschenke noch und nöcher verteilt werden… Aber das nur am Rande. Also: Es fängt schon mit dem ersten Lied an; wir singen „Er weckt mich alle Morgen“ – und als würde ich Antwort auf mein Unglücksprojekt bekommen, ist es da, in der 3. Strophe, schwarz auf weiß: „…in seinem Wort mein Glück…“ (mir bleibt kurz die Stimme weg – gut, dass die anderen weitersingen)

Der alte Pfarrer hat heute keinen Talar an – es ist einfach zu heiß – und doch stört das hier niemanden… Er betet. Ich kann die genauen Worte nicht wiedergeben, aber spätestens nach der Eingangsliturgie ist mir klar, dass Gott mir das Gute zutraut, auch, wenn es mir manchmal nicht so geht.
Die Predigt fängt mit der Geschichte Der alte Mann und das Meer von Hemingway an: eindrücklich interpretierend erzählt der Pfarrer nach – wie der Mann 84 Tage vergeblich auf das Meer hinausfährt, wie alle ihn schon für verrückt halten, und wie er dann doch noch den Fang seines Lebens macht. So groß, dass er den Fisch nicht in sein Boot heben kann und schleppen muss. Natürlich kann er die Haie nicht abwehren und kommt im Hafen mit einem Skelett an – Sinnbild für die Vergeblichkeit, Sinnlosigkeit des Lebens… (Wie wir uns auch abquälen für manche Dinge, die wir so gerne hätten, und haben wir sie dann, sind sie nur noch ein Skelett…) Hemingway starb jedenfalls – und da formuliert der alte Kollege vorsichtig, behutsam – unter ungeklärten Umständen, trotz Nobelpreis und viel Erfolg, an einem Jagdunfall? Und dann ist da diese andere Geschichte, dieses andere Boot – sagt er – und liest aus dem Lukasevangelium vor, aus dem 5. Kapitel:
Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eins der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.
Und während er noch den Predigttext liest, wird mir klar: in diesem anderen Boot will ich sitzen… In dem, wo nicht immer alles rational Sinn ergeben muss – wer geht schon am hellichten Tag fischen?- wo man sich aber immer wieder über so reiche Geschenke von IHM freuen kann, und darüber, dass ER eben nicht weggeht, sondern bleibt und einen trotz aller Fehler, die man macht, gebrauchen will. Er zieht einen aus dem Wasser der Sinnlosigkeit und dann kann man andere auch da rausfischen…
Es macht eben einen Unterschied, in welchem Boot wir sitzen. In dem ohne oder in dem mit Hoffnung. Ich würde jedenfalls für letzteres optieren…

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