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Es ist Sonntag, und wenn es Sonntag ist, da heisst es selbst auf die Kanzel oder eben – die kleine Kirche. Heute letztere, und ich freue mich schon die ganze Woche auf den Gottesdienst. Heute sitze ich nicht alleine in der letzten Reihe, sondern in Begleitung – lieber Besuch hat sich angekündigt und sich mir angeschlossen: mit Kind. Und weil wir ein Kind dabeihaben teilt sich heute meine Aufmerksamkeit – die Gedanken laufen etwas andere Bahnen als sonst. Am Anfang die Lieder markieren, erklären und ja, ich sehe heute Manches mit anderen Augen. Wir sind nicht auf Kinder eingerichtet. Es muss langweilig für sie sein, denke ich mir, auch wenn sie gerne singt und Neues sieht – sie wird in einer anderen Konfession erzogen – nein, sie ist hier nicht eingeplant… Hm. (Dann wiederum ist sie bestens aufgehoben, an Papa gelehnt…)

„Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Eph 5, 8b-9) Mit dem Wochenspruch werden wir begrüßt, und wir singen, manch‘ ein Lied sogar mir unbekannt – natürlich nicht das Paul Gehrhardt, bei dessen 6. Strophe wir gut lachen müssen, wegen des holprigen Rheims, und weil die Aussage trotzdem so gut tut:

„Er ist das Licht der Blinden,/erleuchtet ihr Gesicht,/ und die sich schwach befinden,/ die stellt er aufgericht‘./ Er liebet alle Frommen, / und die ihm günstig sind, /die finden, wenn sie kommen,/ an ihm den besten Freund.

Lesung ist ‚Salz der Erde – Licht der Welt‘ aus dem Matthäusevangelium – sein Licht nicht untern Scheffel stellen kommt aus dieser Passage, freilich geht es hier um Geschenktes. Ja, wenn ER dein bester Freund ist… das sieht man. 🙂

Ich schaue mich während der Kollekte um – aber nein, ich war tatsächlich doof und hab‘ für die Kleine keine Kinderbibel eingesteckt – es ist schon erstaunlich, denk‘ ich mir, heute zerbrech‘ ich mir den Kopf, wir waren damals in ihrem Alter ganz selbstverständlich im ‚Erwachsenengottesdienst‘, und in meiner Tradition ging die Predigt 40 Minuten… Die Zeiten ändern sich.

Predigt. Das Thema grundlegend und grundsätzlich, denn der Kollege drückt sich nicht um die Perikope aus dem Römerbrief, Kapitel 6, Verse 19-23:

Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen: Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden. Denn als ihr Knechte der Sünde wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun damals für Frucht? Solche, deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende derselben ist der Tod. Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben. Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

Man spricht nicht über Sünde, höchstens in Zusammenhängen, wo man das Wort nicht wirklich ernstzunehmen braucht, wie beim Zählen von Kalorien dafür, – so wird für mich zumindest die Argumentation schlüssig – sucht man oft und gerne den Schuldigen. Dabei mißachte man den grundsätzlichen Zustand des Menschen – wie er Unrecht tut, Krieg treibt, andere verletzt… Dabei ist da neues Leben in Jesus möglich, wenn wir dem nur ins Angesicht schauen würden… Hm, grundsätzlich wichtig – und so unaufgeregt, klar und deutlich erklärt. Schwere Kost, ohne Pathos: Kind des Lichts sein hat sehr viel mit Selbsterkenntnis und neuem Leben zu tun. Ich bin dankbar.

Mein Begleiter ist begeistert von Predigt und Kirche – von letzterer will er unbedingt noch ein paar Fotos machen, was mich nicht im Geringsten wundert, denn die kleine Kirche ist wirklich ‚was Besonderes. Die Kleine ist stolz, 15 Minuten Predigt geschafft zu haben und entdeckt am Ausgang die Sonntagszettel – sie packt dann gleich 3 ein: einen für sich, einen für den kleinen Bruder und einen für Papa und Mama. Das Gespräch am Ausgang mit dem diensthabenden Presbyter tut mir gut – wir freuen uns über das Wiedersehen. Hab‘ ich schon erwähnt, dass Sonntage ‚was Tolles sind? 😉

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