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Gefühlte achttausend Umdrehungen, viele Gespräche und noch mehr Gedanken, Anfangen und wieder Verwerfen brauche ich, bis ich überhaupt so weit bin, mich mit mir selber auf einen Predigttext zu einigen – nein, heute nicht die Perikope… Irgendwann sagt mir jemand im Gespräch: ‚Nimm doch das Evangelium – du musst nicht alles auf einmal…“ Und Recht hat er, ich muss nicht alles, denn heute ist wieder viel, viel Prämiere: das erste Mal gemeinsamer Gottesdienst mit dem neuen Kollegen, der eine Taufe macht, den Organisten lerne ich heute kennen, ein Chor singt und überhaupt predige ich erst zum zweiten Mal in der neuen Gemeinde… ach ja, hab‘ ich schon erwähnt, dass Israelsonntag ist?

Gib‘ mir eine Sache – denk‘ ich mir – und da scheint es mir nicht viel anders zu gehen, als jenem Schriftgelehrten, der zu Jesus geht und ihn nach dem höchsten Gebot fragt… in der Passage, die letztlich mein Predigttext wird an diesem Sonntag:

Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, daß er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen?

Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften“ (5. Mose 6,4.5).

Das andre ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.

Als Jesus aber sah, daß er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.“ (Markus 12,28-34)

So langsam – mit Betonung auf langsam, aber immerhin – lerne ich es, mich in die Liebe Gottes fallen zu lassen, obwohl ich mich hin und wieder immer noch wunder‘, dass sie trägt. Und ich erzähle den Menschen von ihr – und davon, dass es nicht vom eigenen Wollen oder Kraftanstrengungen gut wird, sondern weil wir von dieser Liebe getragen werden. Deswegen klappt es dann auch mit dem Nächsten… Ein Geschenk. Gnade, wenn man so will. Eine Kraftquelle auf jeden Fall.

Wir beten für Israel – im Bewußtsein, dass Gottes Liebe und Treue zu seinem Volk unverbrüchlich besteht – dass ER zurechtbringe, was im argen liegt – und für uns selbst…

Am Ausgang und beim Kirchenkaffee einige besondere Begegnungen – die Liebe ist spürbar – und der Kollege bietet mir das ‚du‘ an.

Nichts ist größer als Gottes Liebe.

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