Schlagwörter

, , , , , , ,

Es geht auf Mitternacht zu, als ich die Beiden sehe, am Rande der Landstraße, an der verlassenen Haltestelle, wie sie die Daumen rausstrecken, lässig und sorglos… Zwei Mädchen sind das, viel zu jung für diesen Ort, für diese Uhrzeit. Ich bleibe stehen, frage sie, nach dem Alter, was sie hier überhaupt machen, wohin sie wollen. 15 und 16 seien sie, erzählen die beiden, zunächst kichernd, dann mit zunehmend ernsteren Gesichtern, es gäbe nun doch keinen Bus mehr an einem Schultag, die Eltern hätten nicht gewollt, dass sie bei der Einen übernachten, alleine, als sie eben weggefahren seien, sie sollten zu der Anderen… Wieso die sie nicht gefahren hätten? – frage ich… Die Antwort „Sie wollten in die andere Richtung“ macht mich stinkewütend, erst recht, als mein Navi in der Zwischenzeit eine Fahrtzeit von nicht mal 10 Minuten berechnet. Mein Auftrag, die anderen Eltern anzurufen und Bescheid zu geben, ergibt einen brüllenden Vater in der Leitung – aber abholen wollte er seine Tochter vorhin ja auch nicht…

Während ich die Mädels bis vor die Haustür fahre, erkläre ich ihnen, das Anhalter nicht geht – und auch, warum nicht – und dass man da lieber sein ganzes Taschengeld zusammenkratzt und einen Taxi nimmt – oder wieder nach Hause geht; die Eltern brüllen ja so oder so… – und wir finden auch noch Zeit, über ihre Schule und Berufswünsche zu sprechen – die Mädels sind nicht verkehrt…

Nachdem ich sie an der Haustür abgeliefert hab‘, stecke ich mir eine Zigarette vor dem Haus an – von oben kommt Krach – denke: „Vielleicht warst du heute Schutzengel; den Mädels hast du jedenfalls das erspart, was dir damals…“

…selten so einen stinkewütenden ‚Engel‘ gesehen.

Advertisements