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…sollte ich heute schreiben und irgendwie finde ich nicht die richtigen Worte. Staatlich verordnete Feiertage – nun ja…

Und dann kommen doch viele Bilder.

Wie wir damals über die deutsch-deutsche Grenze fuhren. Ja, mit einem Ostkennzeichen. Und wie der DDR-Grenzschutz uns auseinandernahm – meine schlafende kleine Schwester unsanft weckte und sogar im Benzintank herumwühlte… Zu guter Letzt wollten sie die Westadresse wissen, die wir ansteuerten. Mit Postleitzahl. ‚Wollen Sie mir schreiben?‘ – fragte meine Mutter keck. Echte Freiheit angesichts der Diktatur, würd‘ ich meinen… Hätt‘ auch schiefgehen können.

Oder unsere Geschichtslehrerin, die in jener denkwürdigen Stunde in unser Klassenzimmer kam – das Gesicht und die Körperhaltung überaus ernst und sagte: ‚Diese Lektion müssen wir jetzt durchnehmen. Nächste Stunde werde ich euch abfragen. Ich erwarte, dass ihr das ganz genauso aufsagt. Dann machen wir wieder normal weiter.‘ Dann erzählte sie mit mechanischer Stimme die offizielle Parteimeinung – Wort für Wort, als wäre sie ein Kassettenrekorder. Wir hörten in Totenstille zu – waren wir doch alle Kinder von Oppositionellen und wussten Bescheid – und machten es ihr in der nächsten Stunde gleich. Danach ging das Leben weiter, als wäre nichts geschehen. Freiheit hat viele Gesichter.

Und in der Kirche. Politische Predigten, ohne konkreten, tagesaktuellen Bezug. Und doch: der Geist der Freiheit wehte die Machthaber weg.

Es ging nicht um die Reise nach Mallorca. Und auch nicht um Bananen. Schon viel eher darum, dass du nicht zusammenzucken musst, wenn es spät am Abend überraschend klingelt. Und darum, dass du studieren und arbeiten kannst, was du willst. Und dass deine Gespräche nicht abgehört werden… und…

…25 Jahre später habe ich so einige Fragen an die große Freiheit… Denn nach wie vor lasse ich mir ungern von Anderen sagen, was Freiheit ist. Besonders dann nicht, wenn sie im Namen der Freiheit meine Freiheit definieren wollen… Hm.

Meine Freiheit endet, wo deine Freiheit anfängt. Und umgekehrt. Macht hat da nix verloren… auch dann nicht, wenn sie sich Freiheit nennt. Oder Schutzpatron der Freiheit. So, oder so ähnlich grübel‘ ich heute vor mich hin. Unverordnet… 😉

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