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Ach, fragt mich nicht, wie oft sie sich in diesen vergangenen Wochen die himmlischen Bücher im verwaisten Pfarrbüro und tausend Arme gewünscht hat – zum Lücken ausbessern, Kühe vom Eis treiben, hier und dort Notfälle auffangen…

Doch hat eine einfache Pfarrerin weder himmlische Bücher, noch mehr als zwei Arme. Und so kommt Ewigkeitssonntag – die Liste unvollständig, der Rest irgendwo auf den Schreibtischen unserer Schwerkranken – in den drei Wochen, seit sie beim Kollegen auf der Intensivstation saß und seine Hand hielt, waren die Tage lang, die Anspannung groß, die Arbeit überwältigend viel. ‚Scheibchenweise‘ – sagte sie sich immer wieder – ’nimm’s scheibchenweise‘. Und so erstellte sie Notfallpläne, holte Hilfe, hörte zu, ordnete und regelte. Die Liste am Ende, die mit den Namen der Verstorbenen, für diesen Sonntag doch unvollständig…

Lichter hatte sie bestellt. Osterlichter – die mit dem Alfa und dem Omega – als Erinnerung daran, dass der Tod nur das Vorletzte ist. Und dachte sich: ‚Jetzt muss ER trösten. ER kennt doch alle Namen.“ Und so erzählte sie jene Geschichte von den Jungfrauen, die ihre Lampen immer am Brennen hielten – wartend auf die Ankunft des Bräutigams, der Freude bringen würde. Und dass es nur drauf ankäme, genug Öl vorrätig zu haben – die Hoffnung nicht aufzugeben. Und las vor, dass Gott seine Hütte bei den Menschen bauen will.

Mit der Verlesung der Namen bat sie die Menschen, ihre Lieben zu nennen – ein Licht im Gedenken an sie anzuzünden. Manche kamen nach vorne beim Namen in der Liste, manche hinterher – nannten Eltern, Kinder, Urgroßmutter… Hat ER das genauso geplant? Warum haben die 50 Lichter ganz genau gepasst? Hm.

Der Altartisch leuchtete. Das gemeinsam gefeierte Abendmahl ganz besonders innig, der Friedensgruß herzlich, wie auch der Abschiedsgruß an der Kirchentür – manche hatten eine brennende Kerze in der Hand und haben eigentümlich leise und versöhnt in sich hineingelächelt…

Ist das so, wenn ER tröstet?

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