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Wieder der 9. Sonntag nach Trinitatis. Eigentümlich, wie die Zeit vergeht; irre schnell. Ein Jahr ist es schon her, dass ich hier meine Kisten ausgepackt und meinen Dienst in den neuen Gemeinden angetreten habe. Im Rückschau sehe ich, dass ich genau an diesem Sonntag das erste Mal in der einen Gemeinde fröhlich und freundlich empfangen wurde.

Heute nun der Text aus der ersten Perikopenreihe, aus dem Matthäusevangelium, in dem es um die anvertrauten Talente geht. Für Manche ein schwerer Text – wieso haben andere scheinbar so viel mehr und wie soll man der ganzen Erwartung gerecht werden?

Ich einige mich mit mir auf eine andere Lesart. Gott gibt jedem so viel, dass er gut damit umgehen kann. Dass es machbar ist. Denn selbst ein Talent ist etwas Riesiges, Wunderbares.

Letztlich kommt es darauf an, was wir uns für ein Gottesbild machen: Ist ER Einer, der Unmögliches fordert? Dann täten wir wirklich gut daran, uns bedeckt zu halten und nichts zu wagen… Nur das glaube ich nicht. Ich denke vielmehr, dass ER jeden Versuch würdigt. Den kleinen und den großen Ertrag. Dass ER sich total freut, wenn uns was gelingt. Und furchtbar enttäuscht ist, wenn wir nicht das Vertrauen aufbringen, etwas mit dem anzufangen, was wir haben – und jede und jeder hat etwas…

Wenn ich an das vergangene Jahr denke, dann war es oft so, dass es sehr, sehr anstrengend war – reichen meine Talente? Reicht die Kraft? Und was passiert eigentlich, wenn die Dinge nicht gelingen?

Es gab und es gibt immer wieder Momente, wenn ich verstehen konnte und kann, warum der eine ‚Knecht‘ sein Talent vergräbt – so gibt es keine Enttäuschungen und keine Rückschläge.

(God is smiling over us – von Delirious?)

Auf der anderen Seite – ich habe immer wieder davon berichtet und werde es weiter tun – wenn man die vermeintliche Sicherheit des Nichtstuns verläßt, erlebt man… hm… Wunder? Jedenfalls etwas Ähnliches. Erfüllend ist es, wenn ich mich getraut habe und nach langen Bemühungen und anstrengender Arbeit endlich ein Ergebnis sehen kann.

Garantien? Es gibt keine. Einen Gott, der mich richtet? Etwa sogar bestraft? Für mich kein Antrieb und auch kein adäquates Bild für Gott. ER ist Einer, der sich sehr, sehr über das Gelingen freut. Und immer hinter mir steht, auch dann, wenn es gerade nicht so gut klappt. Nur, dass ich aus lauter Sorge mein Leben, meine Möglichkeiten verpasse – das würde IHN stinkewütend machen. (…und nebenbei bemerkt: ich würde mich auch drüber ärgern…)

Ein Jahr ist seit der freundlichen Begrüßung um: Manches ist gut gelungen, Anderes nicht ganz so… Nun. In der anderen Gemeinde brannte die Not fast ununterbrochen und wir sind doch – mal gut, mal weniger gut – durchgekommen. Viele Engel auf dem Weg. Letzte Woche habe ich die erste Besprechung mit dem genesenden Kollegen gehabt – erst sein erstauntes Gesicht hat mir klar gemacht, wie manche Arbeit Früchte getragen hat: Talente, die wir alle nicht vergraben haben.

Und Gott steht hinter uns und schmunzelt: Wer wagt, gewinnt.

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