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Gestern war sie wieder ‚dran‘, die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Ich hänge diesmal nicht bloß an der ethischen Herausforderung: ich glaube kaum, dass wir diskutieren müssten, dass es zum Leben führt, zu einem guten, zufriedenen, glücklichen Leben, wenn wir uns einander zuwenden, mit dem Herzen sehen und dem Sehen Taten folgen lassen.

Da ist dieses andere, an dem ich heute hängenbleibe: Jesus ‚rehabilitiert‘ mit einer Geschichte eine ganze Gruppe. Die Samariter galten ja als diejenigen, die die Feinde waren, oder zumindest die Fremden, mit denen man nichts zu tun haben wollte. Und plötzlich: ja, da reden wir von einem von ihnen, als dem Barmherzigen, als einem, der alles richtig gemacht hat. Er wird zum Vorbild. Nicht der Priester, der die Not sieht und einen weiten Bogen darum macht… Nicht die Herkunft oder das gesellschaftliche Ansehen zählen hier. Sondern ob du auf dein Herz gehört hast. So einfach.

1564, in einer der ersten illustrierten Bibeln der Reformationszeit erschien dieses Bild zur Geschichte:

Der barmherzige Samariter, Jost Amman 1564Eine gelungene bildliche Übersetzung in die Zeit: Priester und Mönch gehen vorbei. Ein Türke – damals der Kriegsfeind – hilft.

Wen würden wir heute auf so ein Bild malen?

Oft ist der vermeintliche Feind besser als sein Ruf. Der Fremde, den wir nicht kannten oder kennen wollten, wird zum Helfer und Freund. Und die sogenannten besseren Leute… hm… Jesus wertet nicht. Erzählt einfach die Geschichte. Lässt uns unser eigenes Bild machen.

Ich frage mich nur, welche Geschichte wir erzählen werden, wenn wir die Geschichte von den Flüchtlingen erzählen, die bei uns ankommen. Oder die Geschichte von den 1,6 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland, von denen 40% Hartz IV beziehen müssen. Oder die Geschichte von wachsender Altersarmut… Ich mag die Reihe nicht fortsetzen…

Frage mich nur, welche Geschichte wir erzählen? Die der Gesetze und Regeln? Die des Herzens?

Der Samariter damals, er hat jedenfalls sein Herz sprechen lassen. Und handelte danach. Und verschenkte neues Leben.

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