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Besuch in der kleinen Kirche

Als ich kurz vor Beginn in die kleine Kirche komme, ist die Taufgesellschaft da. Die Erwachsenen festlich gekleidet, die Männer in gedeckten Farben. Das wäre sonst nicht erwähnenswert. Aber die Taufansprache beginnt der Pfarrer mit “Liebe Eltern, liebe Paten, liebe Familie, liebe Trauergemeinde..”

Er hastet durch die liturgischen Formeln durch, seine Gebete  spricht er langsam genug zum Mitdenken und Mitbeten und das ist gut so. Er predigt über die Geduld, die gerade vor Weihnachten fehlt. Er spricht über den Gott, der immer wieder mit uns anfängt und zu uns kommen will. Und was er dann auslöst, das braucht Geduld: Da müssen wir warten wie ein Bauer, der die Saat ausgeworfen hat und darauf wartet, dass die Frucht heranreift. Das Bild stammt aus dem Jakobusbrief und er legt es wohltuend aus, sodass die Seele Kraft schöpft. Er erinnert daran, dass das Reich Gottes ja mitten unter uns sei. Das hat Jesus zu seinen Jüngern gesagt. Und dass Gott ihm als Säugling die Herrschaft auf die Schultern gelegt hat – das gibt es dann Weihnachten. Vielleicht werde ich Gelegenheit haben, es zu hören.

Nach dem Gottesdienst das Kaffeetrinken. Ich sitze neben einem Herrn, der 1930 geboren wurde, wie er erzählt, aus dem Memelland stammt, Ende 1944 Werwolf wurde und zum Kriegsende die Waffe auseinandergebaut und weggeworfen habe und die Patronen einzeln im Gulli versenkt hat. Interessantes weiß er zu erzählen, auch über seinen Werdegang am Ort. Schon in der Kirche war zu sehen, welche Mühen er beim Gehen hat. Und nun merkte ich: sein Geist war frisch. Auch ein Adventslicht, wenn man so einem wachen Menschen begegnet.

(Gerne wäre ich dabeigewesen. Aber ich   feierte derweil einen trubeligen Familiengottesdienst in einer anderen Kirche… Ach, Sonntag ist was tolles! ☺)
Herzlichen Dank für den Bericht aus der kleinen Kirche!

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