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Ja, immer noch, fast zwei Wochen nach Jahresbeginn; Köln geht mir nach. Nicht nur das, was dort vorgefallen ist. Das Verschweigenwollen, die Vertuschungsversuche. Die dummen Sprüche, wie #armlänge, die den Opfern die Schuld zuschanzen. Der Halbsatz, den mir einer beiläufig, leise, im vorbeigehen sagte: „Da waren auch die Männer, die ihre Frauen nicht haben beschützen können…“ – auch Opfer irgendwie. Und dass die Polizisten so hoffnungslos unterbesetzt waren.

Es ist Neujahrsfrühstück der Frauen in der Kirche. Ich schaue vorbei, wie ich es immer tue bei diesem Kreis, denn ich will ihnen ein frohes neues Jahr wünschen. Und das tue ich auch. Aber ich kann auch nicht schweigen über das andere – ich spüre, dass auch ihnen die Nachrichten in den Knochen sitzen – es ist die Kriegskindergeneration.

Also ringe ich um die Worte – eine Rede war nicht geplant, vorbereitet, und das ist gut so. Ein gesegnetes Jahr wünsche ich, und Gesundheit und Frieden. Und die Erfahrung, dass Gott uns auch im neuen Jahr begleitet, behütet. Und dann sage ich: Wir haben ja Silvester sehr verschieden gefeiert; manche ganz still und manche etwas lauter – und keiner von uns wollte diese Nachrichten hören, keiner, dass in der Silvesternacht um die Ecke passiert, was nun mal geschehen ist. Und dann: umso mehr brauchen wir die Weisheit, zu erkennen, was uns soweit gebracht hat. Kriegstreiberei und Gier. Und umso richtiger ist das, was Sie schon tun: sich in einer christlichen Gemeinschaft zu versammeln, um das neue Jahr zu beginnen, und sich eben auch darauf zu besinnen, dass Gott Frieden will und Gerechtigkeit. Für alle. Und dass wir die Hoffnung und die Zuversicht haben, dass ER uns in all dem beisteht – auch darin, dass wir unsere Stimmen erheben gegen Unrecht und falsche Strukturen.

…so ungefähr werden meine Worte gewesen sein… wie gesagt, mir abgerungen, denn mir fällt es nach wie vor schwer, überhaupt Worte zu finden…

Erstaunlicherweise war das an dieser Stelle gut. Dank für ein ‚geistliches Wort‘. Habe ich nicht erwartet.

Was ich mitgenommen habe?

Die Leiterin hatte eine Meditation über die Jahreslosung

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jes 66,13

mitgebracht. Sie spricht darüber, dass Gott uns in jeder Lebens- und gesellschaftlichen Situation nicht nur trösten, sondern auch stark machen kann. (Gute Wege zu finden, das Richtige zu tun etc.) Die Worte ergaben ein Ganzes.

Beim gemeinsamen Frühstück erinnerte ich mich an meine beiden Großmütter, die für mich die Urbilder mütterlichen Trostes sind: ein gutes Essen und ein Gespräch – die richtigen Worte finden.

Ein Anfang.

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